Ochsenweg hoch 3

Unterwegs auf krummen Wegen

Die Gemeinde Harrislee – 1352 erstmalig im Domkapitel zu Schleswig als „Haringslof“ erwähnt – mit den Ortsteilen Niehuus und Wassersleben liegt nördlich von Flensburg unmittelbar an der deutsch-dänischen Grenze. Noch heute zeichnen sich hier drei verschiedene Stränge des „Ochsenweges“ ab. 

Der Hauptstrang lief über die ebenen Sanderflächen westlich von Harrislee von Pattburg nach Flensburg-Weiche und Jarplund. Im weitläufigen Gelände der flachen Geest befindet sich dort heute der Naturerlebnisraum „Stiftungsland Schäferhaus“ und südlich davon der „Flugplatz Schäferhaus“. Beide Örtlichkeiten verdanken ihren Namen einem ehemaligen, nach einer alten Schäferei benannten Gastbetrieb, dem am Ochsenweg liegenden „Krug Schäferhaus“. Die heutige Straße „Ochsenweg“ entspricht über weite Strecken dem historischen Verlauf. Als 1940 der Flugplatz ausgebaut wurde, verlegte man sie um einige hundert Meter nach Osten, entsprechend der heutigen Verkehrsführung.

Im „Stiftungsland Schäferhaus“ hat sich ein noch über weite Strecken als Redder ausgebildeter „Diebsweg“, bzw. „Deepswech“ auf Plattdeutsch und dänisch „Tyvevej“ erhalten. Nördlich und südlich daran anschließende Altwege ergänzen ihn zu einer weiträumig um Flensburg herumgeführten Trasse mit Namen „Margarethenweg“, einer Bezeichnung mit Anspielung auf die dänische Geschichte der Region. Zahlreiche, ihn säumende archäologische Denkmaler weisen auf sein prähistorisches Alter hin. 

Der landschaftlich attraktive „Krumme Weg“ zwischen Bov und Flensburg ist die historische, nördliche Anbindung der Fördestadt. Er quert das malerische, durch Ströme von Schmelzwasser der letzten Eiszeit entstandene „Niehuuser Tunneltal“. Dort wo der „Krumme Weg“ das Bachbett der „Krusau“ über eine altertümlich wirkende Brücke quert, lag im Mittelalter eine sogenannte Turmhügelburg. Älteste schriftliche Überlieferungen erwähnen sie als „dat Nyghe Hus“ (dtsch.: das neue Haus). Sie war damit Namensgeberin des Ortes Niehuus und ab 1350 eine wichtige Bastion zum Schutze des nahen Flensburgs. 1409-1431 musste an der Burg, die bis heute als „Schloßberg“ sowohl im örtlichen Gedächtnis als auch im Gelände überliefert ist, Wegezoll entrichtet werden. Dies galt auch für damals noch über Flensburg ziehende Ochsentriften. Landesherrliche Streitigkeiten führten aber schon 1431 zum Abriss der Burg. Zurück blieb eine bis zu 2 m hohe, 55 m x 28 m messende, im Weideland liegende Geländekuppe, aus der durch Viehvertritt immer wieder Ziegelbrocken zum Vorschein kommen. Auch nach der Zerstörung der Burg blieb der „Krumme Weg“ in Nutzung. Hierfür sprechen sowohl unmittelbar nördlich und südlich der Grenze entdeckte alte Kopfsteinpflasterungen, als auch „Wegepflichtsteine“ und die Tatsache, dass der Weg Einwohner*Innen von Niehuus zum Kirchgang in den benachbarten Ort Bau (heute dänisch Bov) diente. Im Zuge der deutsch-dänischen Kriegshandlungen der Jahre 1848-51 wurde er am 9. April 1848 nachweislich zum Aufmarsch der Schleswig-Holsteiner Armee genutzt, die in diesen ersten Kampfhandlungen der „Schleswig-Holsteiner Erhebung“ eine herbe Niederlage erlitt. 

1920 wurde Harrislee durch die Volksabstimmung Grenzort. Es bestehen aber heute vielfältige wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen zu den benachbarten dänischen Gemeinden Padborg (Pattburg), Bov (Bau) und Kruså (Krusau).